Beiträge von einevon17

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Verhandlungen mit Jugendbildungsstätte Konradshöhe e.V. gescheitert

// Nach acht Monaten erklären 17 ehemalige Seminarleiter_innen ihren Arbeitskampf für beendet. // Pressemitteilung vom XX. März 2015 //

Im Juni 2014 waren die Rahmenvereinbarungen für die Arbeit von 17 Seminarleiter_innen in der ver.di-nahen Jugendbildungsstätte Konradhöhe e.V. gekündigt worden. Nach acht Monaten Kampagne und Verhandlungen mit der Leitung der Bildungsstätte in Konradshöhe sowie mit verschiedenen Vertreter_innen von ver.di Berlin/Brandenburg haben „die 17“ `gekündigten´ Seminarleiter_innen nun eine Entscheidung getroffen: Die Verhandlungen über ihre Weiterbeschäftigung und die Möglichkeiten der Mitbestimmung werden sie nicht fortführen.
Auf ihre Forderungen wurde in keiner Weise eingegangen. Sie schätzen ein, dass sie bei weiteren Verhandlungen keine nennenswerten Fortschritte zu der Ausgangssituation erreichen würden.
Was war passiert?

Letztes Jahr im Juni kündigte die Leitung der Bildungsstätte Konradshöhe ohne vorherige Ankündigung gleichzeitig die Rahmenvereinbarungen (d.h. die gegenseitig verbindlichen Regelungen zur Arbeit in der Bildungsstätte) aller freiberuflichen Seminarleiter_innen. Schriftlich begründet wurde die Kündigung in keiner Weise. Lediglich mündlich sollte den einzelnen Seminarleiter_innen mitgeteilt werden, ob ein Wiedereinstieg (zu anderen Bedingungen) für sie in Aussicht stünde.
Der Kündigung der Rahmenvereinbarung waren einige Konflikte vorausgegangen. Unter anderem wollte die Hausleitung keine Mitbestimmung „light“ in Form eines durch die Seminarleiter_innen gewählten „Team-Rats“ schriftlich vereinbaren, nahm Verhandlungsergebnisse zwischen Seminarleiter_innen und Haus zurück und wollte ein Seminar für schlechtere Bedingungen als zuvor anbieten. Die Interpretation der Seminarleiter_innen bezüglich der Kündigung war dementsprechend: Es geht um Mitbestimmung.
Alle 17 Seminarleiter_innen entschieden sich gemeinsam, in einen inoffiziellen „Streik“ zu treten, also die individuellen Angebote nach Weiterbeschäftigung nicht anzunehmen. Stattdessen forderten sie in Solidarität miteinander: „Alle oder keine_r! Mitbestimmungsrechte jetzt!“.
Zunächst suchten sie sowohl Verbündete innerhalb von ver.di als auch das Gespräch mit der Hausleitung von Konradshöhe. Ein erstes Mediationsgespräch folgte, kurze Zeit später dann aber eine Verweigerung weiterer Gespräche über den Wiedereinstieg aller Seminarleiter_innen.
Deshalb machten „die 17“ ihren Fall öffentlich und nahmen auch Angebote von solidarischen Unterstützer_innen an, die eigene Aktionen durchführten (Flyeraktionen, Protest-Emails an die Bildungsstätte etc.). Nicht zuletzt vernetzten sie sich mit freiberuflichen Seminarleiter_innen anderer Bildungsstätten, die tagtäglich ähnliche Arbeitsbedingungen erfahren.
Mit diesen Aktionen konnte erreicht werden, dass die Leitung der ver.di-Jugend Berlin/Brandenburg zu einem Gespräch bereit war und die Vermittlung eines engagierten ver.di-Funktionärs ermöglichte. Über ihn, als „Mittelsperson“, fanden dann noch einmal Verhandlungen mit der Hausleitung der Jugendbildungsstätte über ein zukünftiges Arbeitsmodell statt.

Die Verhandlungsergebnisse
Anders als in der Pressemitteilung der Jugendbildungsstätte Konradshöhe e.V. vom 4. März dargestellt, ist das Ergebnis der Verhandlungen laut Einschätzung der betroffenen Seminarleiter_innen weit entfernt von einer Lösung auf Augenhöhe, denn auf die Kompromissvorschläge der Seminarleiter_innen wurde in keiner Weise eingegangen.
„Es wäre sehr zu begrüßen, wenn für Seminararbeit in ausreichendem Maße sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse geschaffen würden. Dafür waren wir immer; der Protest richtete sich allein gegen die Kündigung der Rahmenvereinbarung und die Ungleichbehandlung der freiberuflich Beschäftigten“, sagt Peter*, einer „der 17“. Dies sei aber nicht der Fall: In Konradshöhe wird es weiterhin massiv freiberuflich geleistete Seminararbeit zu „ehrenamtlichen Konditionen“ (i.d.R. durch Studierende) geben. Seminare für den durch die Bildungsstätte angekündigten „Pool für freiberuflich Tätige“ mit angemessener Bezahlung gibt es bisher nicht – laut Bildungsstätte gibt es bisher nur „Ideen“.. Für die Aufnahme in diesen „Pool für freiberuflich Tätige“ wird zudem müssen sich die Seminarleiter_innen zudem erneut bewerben. Von der Bildungsstätte werden dazu umfangreiche Qualifikationsnachweise gefordert ohne dass dafür garantiert wirdGarantie, dass ihnen überhaupt Seminare angeboten werden. Mithin werden unliebsame Seminarleiter_innen weiterhin keine neuen Aufträge bekommen, denn der Forderung nach „Mitbestimmung“ in jeglicher Form wurde eine scharfe Absage erteilt. Im Gegenteil: freiberufliche und studentische Seminarleiter_innen sollen in Zukunft strikt getrennt werden und keine Interessensvertretung aus den eigenen Reihen wählen können.

Ende der Verhandlungen
„Wenn so das Ergebnis von acht Monaten Auseinandersetzung aussieht, hat dies nichts mit der ursprünglichen Zielsetzung einer weiteren Zusammenarbeit zu tun“, konstatiert Andrea* aus der „Gruppe der 17“. Gleichzeitig erkennt die ehemaligen Seminarleiter_innen von Konradshöhe an, dass Verhandlungsversuche keine substantiellen Änderungen bringen werden.
Deshalb hat „die Gruppe der 17“ entschieden, die Verhandlungen zu beenden. Obwohl die Gruppe das einseitig beschlossene „Verhandlungsergebnis“ ablehnt, stellt sie den individuellen Seminarleiter_innen frei, sich für den „Pool für freiberuflich Tätige“ zu melden. Denn auch wenn „die 17“ das „Angebot“ ähnlich einschätzen, müssen einige aus der Gruppe der harten Realität der Freiberuflichkeit in der (Jugend-)Bildungsarbeit in die Augen sehen. Dies zeigt sich am Beispiel von Elena* aus der „Gruppe der 17″, die über ihre prekäre Situation spricht: „Ich habe viel für die Bildungsstätte gearbeitet. Die Kündigung hat mir meine Existenzgrundlage entzogen, so dass ich momentan auf jedes auch noch so vage Angebot angewiesen bin“.

Leider konnte der Arbeitskampf durch eine neue Organisationsstruktur in der Bildungsstätte kompensiert und somit nicht genügend Druck aufgebaut werden. Die Kräfteverhältnisse waren letztlich nicht auf ihrer Seite. Aufgeben werden „die 17“ dennoch nicht. Denn einiges bleibt von ihrem Motto „Alle oder keine_r“.
Was bleibt von „Alle oder keine_r“?
„Die 17“ haben verloren und doch viel gewonnen. „Wir haben unsere Würde zurückgewonnen und uns nicht auf die Spaltung des Teams eingelassen. Wir können erhobenen Hauptes die Szene verlassen, weil wir unseren Arbeitgeber_innen gezeigt haben, dass sie uns nicht nach eigenem Gutdünken behandeln können“ sagt Micha*, einer der 17 gekündigten Seminarleiter_innen.

Vor allem haben sie vorgelebt, was Solidarität bedeutet. In der schrecklichen Situation, in der sich einige finanziell und psychisch gefunden haben, waren sie nie auf sich selbst gestellt. Das gilt auch für die Solidarisierung aus anderen Bildungsstätten.
Die Situation aller Seminarleiter_innen der außerschulischen Jugendbildung wurde öffentlich thematisiert. Das ist ein wichtiger Schritt, um eine breitere Debatte über die Finanzierung und die Arbeitsbedingungen in diesem Bereich anzustoßen. Viele von ihnen leben seit Jahren de facto von ihren Seminartätigkeiten. Sie sind prekär beschäftigt, oftmals auf Unterstützung vom Jobcenter angewiesen und werden trotz einer Vollzeitbeschäftigung jedoch nicht als Berufstätige anerkannt.
Ver.di Berlin/Brandenburg hat vorgeschlagen, sich für bessere Arbeitsbedingungen von Seminarleiter_innen in Berlin einzusetzen. Dies wäre auf jeden Fall ein Fortschritt. Ob dies in die Tat gesetzt wird, bleibt abzuwarten.

* Namen geändert

AUFGEPASST! SOLIABEND am 01.12.2014!!!!

Am 01.12.2014 findet im New Yorck / Bethanien (Wegbeschreibung unten) einen Soliabend statt für die 17 seminarleiter_innen!
Kommt zahlreich zur Solidruzbar!!!!!!
Ab 20:00:
Essen
Film + Diskussion
Musik
Kocktails vom Feinsten

Der Erlös geht an diejenigen in der Gruppe, die am dringensten Geld brauchen.
(mehr…)

Gespräch mit ver.di Hauptamtlichen

4 Monaten nach dem „Rausschmiss“ oder formeller gesagt, nach der Kündigung der Rahmenvereinbarung, findet der erste Termin mit ver.di Hauptamtlichen!
Wie wir gesehen haben unsere Lage steht nicht oben auf der Agenda aber hoffentlich bringt das Treffen was.

Gespräch mit ver.di verschoben

Wir hatten uns gefreut als, nach einer Aufforderung unserseits, die erste höfliche E-Mail seitens ver.di kam. Zunächst wurde uns ein Gespräch für Anfang Oktober mit Sekretären aus dem Bereich Jugend und einem Vorstandsmitglied Berlin/Brandenburg zugesagt.
Dann kam die Nachricht, dass das Treffen ende Oktober stattfinden wird.
Jetzt ist das Gespräch noch mal verschoben worden! Da es doch wichtigere Aufgaben bevorstehen wie z.B. Anträge entgegennehmen, ist es nicht klar, wann das Treffen überhaupt stattfindet.
Unsere ver.di Hauptamtlichen sehen scheinbar keine Notwendigkeit in einer schnellen Lösung des Konflikts.

TAZ Artikel über Arbeitsbedingungen in Bildungsstätten

Wir sind nicht allein!
Das zeigt wieder ein Artikel von Anna Lehmann (TAZ) zu den Arbeitsbedingungen in Bildungsstätten. Deshalb organisieren wir uns sowohl für die Weiterbeschäftigung der 17 wie auch für die Vernetzung von TrainerInnen in der Jugendbildung.

Der neue TAZ Artikel zu dem Thema ist gut recherchiert und liefert viele Hintergrundinformationen zu den Zuständen in Bildungsstätten:

Wider besseres Wissen

FREIBERUFLER Zwischen Selbstständigen und dem Bildungswerk des DGB kommt es zum Eklat, als die Freien ihre schlechte Bezahlung zum Thema machen. Die Ereignisse stehen symptomatisch für eine Branche, in der Kritik als Vertrauensbruch gewertet wird.
Hier zum Artikel